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Neujahrsempfang der Stadt: Visionen für ein neues Jahrzehnt
aus der Kategorie Stadtgeschehen
geschrieben von Melanie Arzenheimer

Oberbürgermeister Christian Lösel erläuterte in seiner Neujahrsansprache seine Visionen für ein Jahrzehnt des Umbruchs. Vorher hieß es aber: Hände schütteln, Hände schütteln, Hände schütteln beim üblichen Defilee im Foyer des Stadttheaters. Und im Saal wurde vor der Rede des OB – quasi zur Einstimmung auf die Aufbruchstimmung – den 1300 Gästen ein neuer Imagefilm mit dem Titel "Ingolstadt bei Nacht" präsentiert.

 

„Selten war der gesellschaftliche Umbruch so groß wie heute!“ erklärte Christian Lösel in seiner Rede und betrachtete dabei natürlich auch angesichts der kommenden Kommunalwahlen die politische Landschaft: „Zwei Jahrzehnte lang konzentrierte sich die Mehrheit der Wähler in der Mitte des politischen Spektrums. Alle Parteien strebten – diesem Wählerwillen folgend – in die Mitte, bis ihre Charakteristika ineinander verschwammen und sie austauschbar erschienen. Die GroKo war das unausweichliche Koalitionsmodell. Nun, Anfang des neuen Jahrzehnts, haben wir es in Deutschland mit einer bi-modalen oder tri-modalen Wählerverteilung zu tun, also mit mehreren, sich unterscheidenden Wähler-Milieus: ein linkes, ein rechtes und ein grünes Spektrum. Es gibt wieder Richtungswahlen.“

Auch würden sich die Generationen zum Teil wieder konträrer gegenüber stehen und das in Zeiten des technologischen Umbruchs und des Klimawandels: „Wir müssen vielmehr aufeinander zugehen, die Gesellschaft zusammenbringen und gemeinsam Probleme lösen!“ meinte der Oberbürgermeister. Und so stellte er seine Ideen für ein „Goldenes Jahrzehnt“ und ein keineswegs „Zorniges Jahrzehnt“ vor. „Dazu braucht es eine Politik und eine Stadtgesellschaft, die vernünftige Lösungsansätze aufgreift und mitträgt, zum Wohle der Gesamtgesellschaft – ohne eine Bevölkerungsgruppe gegen die andere auszuspielen.“

Audi ist für Bayern systemrelevant!

Krisen in der Automobilindustrie seien für die Region nichts Neues, so Lösel. Das Auto bleibe ein Technologieträger der Zukunft: „AUDI ist für Bayern systemrelevant!“ Aber es müssten die Weichen zu einer Stadt der neuen Chancen gestellt werden, etwa durch gezielte Wissenschaftsförderung und die Profilierung als Standort für Luftmobilität. Und so erläuterte Lösel die zahlreichen Kooperationen und Initiativen, die es in Ingolstadt in diesem Bereich gibt und noch geben werde.

Beim Thema Wohnungsbau verwies das Stadtoberhaupt auf die vom Stadtrat aufgelegten Sonderbauprogramme und die Ausweisung neuer Baugebiete. Und mit Blick auf die Kita Versorgung erklärte er: „Heute sind wir nun eine der ganz wenigen Städte, in denen es keine Kita-Krise gibt!“ Alleine 2019/20 entstünden über 600 neue Krippen- und Kindergartenplätze in städtischer und freier Trägerschaft. Er verwies auf den größten ÖPNV-Ausbau der vergangenen Jahrzehnte und die Notwendigkeit einer Regional-Bahn. Im Bereich Klimaschutz nannte Lösel u.a das eine Million Bäume Programm, das Trinkwasserschutzprogramm, den Ausbau der Fernwärme, die Sanierung des ehemaligen Bayernoil Geländes, aber auch die Schaffung von Parkanlagen (etwa in Etting) oder die Landesgartenschau. „Lassen Sie uns aus Ingolstadt eine Clean-City machen!“ Dafür solle der Naturschutzbeirat künftig besser in die Entscheidungsvorgänge eingebunden werden.

Im Bereich der Wirtschaft kündigte der Oberbürgermeister eine personell und finanziell verstärkte Wirtschaftsförderung an, etwa durch den Ausbau der Berufsschulen und die Einrichtung eines Handwerker- und Gewerbe- Hofs.

Klares „Ja“ zu den Kammerspielen

„Wir brauchen die Kammerspiele zur Sanierung des Theaters und als neue Spielstätte. Sobald die Architekturbüros alle Fakten erarbeitet haben kann entschieden werden. Wir wollen Überraschungen und Kostensteigerungen in der Bauphase vermeiden – deshalb muss die Entscheidung gründlich und sorgfältig vorbereitet sein. Die heutige Sorgfalt hilft uns morgen!“ betonte Christian Lösel. „Wie wichtig uns Kultur ist, erkennen Sie an den Ausgaben hierfür: Diese sind von 2010 auf 2020 um 49 Prozent gestiegen!“ Ein wichtiger Schritt sei auch die finanzielle Stabilisierung der Heilig-Geist-Stiftung gewesen, ebenso die Investitionen in das Klinikum, das sich mitten in der Generalsanierung befindet. Der Oberbürgermeister ging auf die Wichtigkeit von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten ein, ebenso auf die verschiedenen Jugendförder- und betreuungsprogramme. Im Bereich Sport schlug er ein Kalt-Luft-Hallen-Programm vor und kündigte eine Skate Night für Jung und Alt an: „Alle, die heute Abend hier sind, werden automatisch für die Teilnahme angemeldet – ich rechne fest mit Ihnen!“ scherzte er zum Abschluss der Rede.

Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Jazzförderpreisträgerin Olivia Trummer. Am Buffet konnten sich die Gäste schließlich schon mal für diese und andere sportliche Herausforderungen stärken (es gab u.a. einen süß-sauren Kürbiscocktail mit Honig und Rosmarin mariniert, Bandnudeln mit Balsamicobirnen in Feigenpesto und ein Spekulatius-Tiramisu) und sich über mögliche Trainingseinheiten austauschen...

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